16.10. Alle Macht den Konzernen ?

„Gegen noch mehr Konzernmacht“ - TTIP-Info-Tour durch das Industrieviertel startete in Wiener Neustadt



Erfolgreich war die Auftaktveranstaltung der „TTIP-NÖ-Info-Tour“ im Industrieviertel gestern Abend: Knapp 100 Personen folgten der Initiative von attac und neun weiteren Organisationen in den BORG-Festsaal zu zwei Vorträgen zum Thema: „Welche Gefahren stecken hinter dem geplanten Freihandelsabkommen TTIP* zwischen EU und USA?“ und diskutierten, was Bürgerinnen und Bürger tun können, um ein undemokratisches Abkommen zu verhindern: Von der Online-Petition an die EU und das Weiterverbreiten von Informationen durch kurze Internet-„Erklärfilme“ auf www.ttip-stoppen.at oder der Web-Doku im „Sozialwort-TV“ auf www.ka-wien.at bis hin zur Gemeinderatsresolution.

Studie: TTIP ist kein Wachstumsmotor sondern Arbeitsplatz-Killer
Angela Pfister vom Volkswirtschaftlichen Referat des ÖGB präsentierte Studien, die zum Schluss kommen, dass „TTIP“ kaum positive wirtschaftliche Auswirkungen, aber verheerende soziale Folgen bringe: Laut Analysen des CEPR ( Centre for Economic Policy Research, eine der führenden unabhängigen Organisationen für gesamteuropäische Wirtschaftsforschung) steigt durch das TTIP die Wirtschaftsleistung (BIP) bis 2027 um nur 0,5%-Punkte in der EU. Das sind pro Jahr 0,05 Prozentpunkte. Durch Umstrukturierungen könnten aber mehr als 1 Million Arbeitsplätze verloren gehen (0,7% des Arbeitskräfteangebotes in der EU)!
Eine weit besseren Wirtschaftseffekt würden laut WIFO öffentliche Investitionen für die Beschäftigung bringen: z.B. 1 Mrd. € im Pflegebereich könnte bis zu 25.000 Arbeitsplätze bringen.

Gemeinde-Dienstleistungen: Kooperationen statt Gewinnorientierung
Peter Eckart, Geschäftsführer der WNSKS – Stadtwerke Wiener Neustadt bot einen konkreten Einblick in die aktuellen Marktreglementierungen bei der Wasserversorgung, Abwasser- und Müllentsorgung. Die TTIP-Verhandlungen zu mehr Deregulierung und Gewinnorientierung sieht er sehr kritisch. Viel sinnvoller ist es, Kooperationen von mehreren Gemeinden zu verfolgen. Hier gibt es schon jetzt sehr gute Erfahrungen z.B. im Abwasserverband.

Wr. Neustädter Gemeinderatsresolution zu TTIP als Vorbild
Gemeinderatspolitiker Michael Rosecker berichtete, dass der Gemeinderat von Wr. Neustadt einstimmig eine Resolution beschlossen hat, in der er die Bundesregierung und die österreichischen Abgeordneten im EU – Parlament auffordert, sich für einen transparenten Weg im Sinne der BürgerInnen einzusetzen und nicht für Geheimverhandlungen zum Wohl internationaler Konzerne.
Mehrere Gemeindevertreter aus dem Publikum haben sich daraufhin bei Gemeinderat Rosecker die Unterlagen für eine Resolution für ihren Gemeinderat mitgenommen.

TTIP-Stoppen-Allianz mit starker kirchlicher Beteiligung
Moderator Christoph Watz (Katholische Aktion) berichtete, dass bereits im Frühjahr die Kirche massive Bedenken formuliert und vor den drohenden Folgen eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und den USA (TTIP) gewarnt hatte: Katholische Frauenbewegung, Katholische Jugend, Katholische Jungschar, Katholische Arbeitnehmer/innenbewegung, Welthaus – Katholische Aktion Wien, die Arbeitsgemeinschaft Schöpfungsverantwortung, und KOO (Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission) engagierten sich im Netzwerk www.ttip-stoppen.at

Unterschriften Kampagne
„Da die EU Kommission eine offizielle Europäische Bürgerinitiative gegen TTIP verweigert hat, haben deshalb 250 Organisationen aus ganz Europa eine selbstorganisierte Bürgerinitiative ins Leben gerufen“, erklärte Watz. Das Ziel ist, eine Million Unterschriften in einem Jahr zu sammeln. Derzeit sind bereits über 600.000 erreicht

v.l.n.r. WNSKS-Geschäftsführer Peter Eckart und Vertreter der Veranstaltergruppe der TTIP-NÖ-Info-Tour: Michael Rosecker (Renner-Institut), Angela Pfister (ÖGB), Christoph Watz (Kath. Aktion), Friederike Zauner (attac-Wr. Neustadt)

11.10 TTIP Aktion am Hauptplatz

Zwar ohne Koffer, aber mit jeder Menge Infomaterial im Gepäck, waren acht Wiener Neustädter Attacies am Vormittag auf dem Hauptplatz von Wiener Neustadt unterwegs. Es wurden 300  TTIP-STOPPEN Flyer und Ankündigungen für die TTIP-Info-Veranstaltung am 16.10. im BORG an Passanten verteilt. Vor allem bei den Marktständen war das Interesse sowohl von Seiten der „Standler“  als auch bei den Kunden groß. Viele waren hier schon sehr informiert und es ergaben sich angeregte Gespräche. 80 Personen unterzeichneten im Laufe des Vormittags die Europäische BürgerInneninitiative gegen TTIP und CETA.

29.9. Diskussionsforum ERNÄHRUNGSSOUVERÄNITÄT


Franziskus Forster von Agrar-Attac vermittelte den Besuchern, was die weltweite Organisation Nyéléni und was Ernährungssouveränität ist. Gar nicht verwechseln darf man das mit Ernährungssicherheit, ein Begriff, der von den Konzernen in ihrem Sinne verstanden und verwendet wird.


Vielmehr geht es hier um das Menschenrecht auf Nahrung, um das Recht der Bauern, die Produktions- weise selbst zu bestimmen. Und es geht um Demokratisierung, auch der Wirtschaft. Es geht um die Abhängigkeit der Bauern von Land, Wasser, Saatgut, von Politiken. Es geht um Bildung und Wissen.

  

Seit Nahrungsmittel zur Ware, mit der man handeln und spekulieren kann wurde, sind viele Kleinbauern existientiell davon betroffen. Was wichtig ist: Nyéléni hat keinen Masterplan sondern Schritt für Schritt im Sinne des demokratischen Projekts sollen die Ziele erreicht werden. Ein Prinzip ist auch: Was immer man macht, es darf nicht auf Kosten anderer gehen.


Der Weg zu demokratischer Selbstbestimmung ist ein politischer und wirtschaftlicher aber auch ein kultureller und sozialer Prozess. Da es hier um nichts weniger als um die Macht geht, ist Widerstand zu erwarten. Aber: Rechte mussten immer erst erkämpft werden.


La Via Campensina wurde als Alternative zur WTO gegründet und umfasst heute 200 Millionen Kleinbauern. In Österreich wird  diese Organisation durch die ÖBV (Österreichische Bergbauernvereinigung) vertreten.


Wir konnten einen Film sehen, vom österreichischen Nyéléni Treffen heuer in Goldegg, wo Attac stark beteiligt war. 


In Mali fand das erste Treffen 2007 mit 500 Teilnehmern aus 80 Ländern statt, 2011

war dann das Europäische Treffen in Krems (400 Delegierte aus 34 Ländern). 


Der Nyéléni Prozess besteht aus WIDERSTAND LEISTEN, TRANSFORMIEREN, ALTERNATIVEN SCHAFFEN. Und das auf verschiedenen Ebenen. 


Aktuelle Schwerpunkte sind:

  • CSA (Solidarische Landwirtschaft), Lebensmittelkooperativen,
  • Alternative Vermarktung,
  • Landwirtschaftliche Existenzgründung z.B. durch ausserfamiliäre Hofübergabe. Dies erscheint besonders wichtig, da das Durchschnitsalter in der österr. Landwirtschaft 56 Jahre beträgt und täglich 12 Höfe zugesperrt werden.  
  • ErntehelferInnen-Kampagne (Bezahlung zumindest der KV-Löhne an migrantische Erntehelfer. Die sind ohnehin gering genug: € 4-6 / Stunde) 


Franziskus sagte uns: Die "Abstimmung im Supermarkt" gibt es nicht. Der Markt regelt das nicht. Durch Produktauswahl dort kann man das System nicht ändern. Viel eher wird verändert, wenn man/frau anstatt im Supermarkt lokal einkauft, vielleicht direkt beim Bauern. Oder wenn Arbeitsmigranten unterstützt werden, wenn sie für gerechten Lohn streiken. 


Das so oft gehörte Ziel (oder besser: die Notwendigkeit) der "Wettbewerbs-fähigkeit" in der Landwirtschaft wird durch Subventionen der EU erreicht und richtet sich dann aber gegen die Produzenten in den südlichen Ländern. 


Hier noch ein par Links zum Thema:   



Hier geht es zu Nyéléni Europe


und hier zur Ernährungssouveränität

 






2.9.2014, Film VOICES OF TRANSITION

Rund 100 Besucher konnten wir im Bildungshaus St. Bernhard begrüssen. Im Anschluss an den Film des Regisseurs und Produzenten Nils Aguilar aus dem Jahr 2012 fand , eingeleitet von unserer Fritzi Zauner, eine rege Diskussion darüber in Kleingruppen mit anschliessenden Publikums-statements statt. Die Zusammenarbeit mit dem Filmclub Dekarte sowie dem Tauschkreis Wr. Neustadt und KulturGUTNatur hat sich wieder einmal bewährt.  


Zum Film: Der Low-Budget-Film wurde in Frankreich und Deutschland produziert und beschäftigt sich mit der Gefährdung der landwirtschaft-schaftlichen Produktion durch Energie- und Ressourcenverknappung und zeigt als Alternativen Agrarökologie in Frankreich, die Transition-Town-Bewegung sowie urbane Landwirtschaft in Kuba als Vorreiter einer Transformation der Nahrungsmittelproduktion weg von industrieller Landwirtschaft zu kleinteiliger, dezentraler Erzeugung.

 

Im Vorraum haben die Talente-Tauschkreismitglieder Monika Jasansky (seit 23 Jahren Bio-GFemüse, heute 170 Biogemüsekisterl-Kunden), Michaela Reisenbauer (Direktvermarkterin von alten Getreidesorten, Ab-Hof-Verkauf von Brot, Jungrindfleisch, Getreide, Mehl, Gemüse), Manuela Raab (sie will eine Plattform für regionalen und nachhaltigen Einkauf aufbauen mit einer Verteilstelle für regionales Gemüse), Karoline Karpati (kulturGUTnatur, Garten-Kochen-Umweltbildung im Akademiepark, wo heuer die erste Ernte eingefahren wird - Eröffnung am 21.9. ) sowie Gerhard Höggerl für den Tauschkreis Fragen über ihre Initiativen beantwortet. 

Die dargebotenen Kostproben wurden dankbar aufgenommen. 


 

 

23.8. Info Stand beim Sun Splash in Wiesen

Attac Burgenland organisierte die Attac-Präsenz bei den verschiedenen Festivals in Wiesen. Diesmal übernahmen Hermine, Christian und Walter von Attac WN die Betreuung. Leider war das Wetter schlecht, dafür heizte SambAttac mächtig ein. Insgesamt konnten wir viel Infomaterial an die Besucher verteilen und auch einige recht interessante Gespräche führen.

Hier ein paar Fotos.       

13.8. Attac Forum "Unser Geldsystem ist Sozialismus für Reiche"

Josef und Andreas hatten vorgeschlagen, über das Thema Geldsystem zu sprechen und uns dafür einen Artikel aus "Die Welt" herausgesucht.

 

Josef, Fritzi, Elke, Kati (willkommen bei uns!) und Walter nutzten diese Diskussions-möglichkeit. Im Artikel wird das derzeitige Papiergeldsystem für die ungerechte Umverteilung von arm zu reich verantwortlich gemacht. Wir sprachen über Vollgeld, und Bitcoin. Sehr konversiell wurde über den in die Diskussion eingebrachten Vorschlag, alles - oder fast alles - den Märkten zu überlassen und den Staat auf Kernaufgaben zu reduzieren. Im Laufe der Diskussion wurden immer mehr Aufgaben gefunden, die nur vom Staat geleistet werden können. Um "ein gutes Leben für alle" zu erreichen, dürfte eine (fast) ungeregelte Marktwirtschaft keine erfolgversprechende Methode sein. Es war eine interessante Runde, ein anregendes Gespräch.   

WK

 

 

16.6. Attac Forum: Nachklang Vortrag Paech Postwachstum

Vor insgesamt 13 Interessierten eröffnete Christian Fischer (Attac WN) mit einer Zusammenfassung Niko Paechs Vortrags. Details bitte weiter unten (24.2.).  Danach entwickelte sich eine rege Diskussion, die hier schlagwortartig wiedergegeben werden soll:  

- Forderungen an Energieversorger vs. eigener persönlicher Beitrag.

- "Gewohnheitstier": Gute Gewohnheiten sollen schlechte ersetzen. 

- Gemeinsame Nutzung von Maschinen und Autos sind keine Energieersparnis im Verbrauch, allerdings eine, weil weniger Geräte benötigt werden. Am Besten wäre eine gemeinsame PKW Nutzung durch Fahrgemeinschaften.

- Beispiel Geschenkebox WN. Warum gibt es diese nicht öfters in WN? Wäre eine mobile Sammelstelle für diese Box denkbar?

- SOL in Wien hat einen LeiLa eröffnet, in WN gibt es einen Tauschkreis (siehe Initiativen)

- Vorschlag einer Messe von Gemeinwohlprojekten, ev. im Rahmen einer Veranstaltung wie das Schmu-Fest zu Pfingsten 2015. 

- Radrundfahrt / Schnitzeljagd zu alternativen Einkaufsmöglichkeiten in WN.

- Kann man konsumanregende Werbung verbieten um  den  Konsum unnötiger Artikel vermeiden zu helfen?

31.5. und 14.6. Info Tisch FUZO Wiener Neustadt

3. Mai 2014 - 3. Pflanzentauschmakt Schmuckerau

Statt zu kaufen, Pflanzen, Saatgut und Know-how tauschen

Von Paradeisern und Kräutern über Glockenblumen bis zu Kakteen reichte der Bogen der angebotenen Pflanzen beim 3. Attac-Planzentauschmarkt in der Wiener Neustädter Schmuckerau.

Für die enorme Vielfalt ist den ca. 20 anbietenden Gartenfreunden zu danken. Ganz von selbst ergaben sich viele interessante Fachsimpeleien über die Standortnotwendigkeiten der einzelnen Pflanzen und auch über deren Verwendungsmöglichkeiten.

Das Schöne daran: Überfluss von Pflanzen wird nicht einfach achtlos weggeworfen sondern anderen Interessierten angeboten.

 

In Zusammenarbeit mit Essbares Wiener Neustadt, KulturGUTNatur, Gartenpolylog Gemeinschaftsgarten WN und dem Talente Tauschkreis WRN.

 

Trotz des miesen Wetters waren soviele Menschen dabei wie noch nie. Sowohl    

Pflanzenanbieter als auch solche, die welche mitnehmen wollten. Und es wurde getauscht, Pflanzen gegen Pflanzen und auch gegen Tauschkreis-Stunden.

 

Wetterbedingt fand alles unter Dach statt, unter der Pergola und auch im Saal.

 

Von Attac waren Fritzi, Ingrid, Eva, Marlies, Elke und Walter, vom Tauschkreis Karl und Gerhard und von KulturGUTNatur Karoline dabei. 

 

Walter

 

 

24.2.2014 Niko Paech "Die Wachstumsparty ist vorbei"

!

 

Diesen Vortrag können Sie auf you tube nachhören

Von links: Karl Watz (Kath. Arbeitnehmer/innenbewegung), Christoph Watz (Welthaus Erzdiözese Wien), Peter Maurer (Bildungszentrum St. Bernhard), Fritzi Zauner (attac Wr. Neustadt), Niko Paech und Madleine Petrovic (Grüne NÖ).
Von links: Karl Watz (Kath. Arbeitnehmer/innenbewegung), Christoph Watz (Welthaus Erzdiözese Wien), Peter Maurer (Bildungszentrum St. Bernhard), Fritzi Zauner (attac Wr. Neustadt), Niko Paech und Madleine Petrovic (Grüne NÖ).

 

Sie kommt sicher, entweder nach dem erzwungenem Ende des Wachstums z. B. wegen Erreichen der Grenzen der Ressourcen oder freiwillig: Eine Postwachstumsökonomie (PWÖ). Das prophezeite Niko Paech am 24.2. im Bildungshaus St. Bernhard vor 160 Menschen aus Wiener Neustadt und Umgebung.

 

Niko Paech beschrieb die Auswirkungen von Wachstum auf die Ökologie und auf den einzelnen Menschen. Und er erläuterte das von ihm entwickelte Modell der PWÖ, bemerkte jedoch auch, dass es noch andere PWÖ-Modelle gäbe.

 

Die Grenzen des materiellen Wachstums werden durch die Endlichkeit der Ressourcen bestimmt. Peak Oil, Peak Everything. Verknappung tritt ein für Trinkwasser, Flächen (zur Nahrungserzeugung), aber auch seltene Erden, die für die Erzeugung von elektronischen Geräten (Handy, Smartphone, ...) benötigt werden. SignifikantesWachstum trat in den letzten Jahren nur mehr im Bereich der Elektronik auf. Daher sind diese Seltenen Erden auch so wichtig.

 

Niko Paech stellt aber auch psychische Wachstumsgrenzen fest. Wir haben einfach zu wenig Zeit, die Errungenschaften des Konsums auch zu geniessen. Und das führt oft zu Stress. So hat sich der Verbrauch von Antidepressiva in den letzten 10 Jahren verdoppelt.

 

In den Schwellenländern führt der Strukturwandel (bisherige von Bauern genutzte landwirtschaftliche Flächen werden agro-industriell genutzt - das führt zur Landflucht in die Städte) zwar zum Entstehen einer Mittelschicht, gleichzeitig steigt die Armut. In Brasilien, wo seit 20 Jahren die Wirtschaft gewachsen ist, kommt dazu, dass der wachsenden Mittelschicht die Zerstörung der Urwälder auf Kosten indigener Völker gegenüber steht.

 

Subventionen der Staaten sollen Wachstum steigern, führen aber zu Staatsverschuldung. Niko Paech wäre sehr gespannt zu wissen, wie sich das Wachstum ändern würde, sollten alle Subventionen nicht mehr bezahlt werden.

 

Die wichtigste Herausforderung ist der Klimawandel. Weltweit ist die Eindämmung auf maximal 2° Erwärmung das Ziel. Wir in der 1. Welt verbrauchen zur Zeit 11 t CO2 je Person. Das muss bei uns auf 2,7 t reduziert werden, während die Armen das Recht haben müssen, auf diesen Wert erst einmal zu kommen. Er nennt das Beispiel Flugverkehr: Eine Reise einer Person von Wien nach New York und zurück erzeugt 4,25 t CO2, eine nach Neuseeland 14,5 t. Das kann niemand im Alltag durch ökologisches Verhalten kompensieren.

 

Vom „grünen Wachstum“ hält Paech gar nichts. Er kritisiert, dass zum Beispiel die deutsche Energiewende gelobt wird dafür, dass sie 22 % - 25 % Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt. Aber das betrifft nur Strom. Berücksicht man die anderen Primär-Energiequellen (Gas, Öl, Kohle) sind es nur mehr 11%. Ausserdem erreicht in Deutschland die Erzeugung von Strom aus Kohle jedes Jahr neue Höchstwerte. Unser Lebensstil führt nicht nur bei uns zu hohem Energieverbrauch, sondern auch in den Ländern, in die Produktion ausgelagert wurde, weil dort die Umweltstandards und Löhne viel niedriger sind. Wenn man dann den Anteil der Erneuerbaren an der Energieproduktion weltweit misst, sind es nur mehr 0,9%. Die Ökosphäre wird durch den Bau von Windkraftanlagen, durch Anbau von Energiemais, etc. zerstört, um das Klima zu schützen, und das kann es ja auch nicht sein. These: Durch grünes Wachstum muss das Konsumverhalten nicht geändert werden.

 

Niko Paech stellt dem die Notwendigkeit zur Reduktion gegenüber. Er erwähnt hier Suffizienz, also Genügsamkeit auf der Konsumseite. Auf der Angebotsseite nennt er De-Industrialisierung.

Wachstumstreiber sind auf der Angebotsseite u.a. das Kapital, auf der Nachfrageseite der Konsum.

Güter sind Träger von Identitätsbotschaften. Über den Konsum symbolisieren wir: Wer ich bin, wer ich sein will, wie ich wahrgenommen werde. Und da gibt es keine Obergrenze.

 

Postwachstumsökonomie ist die Ökonomie der Genügsamkeit, der Suffizienz. Konsum führt zu Glücksgefühl, aber nur bis zur Sättigungsgrenze. Oder bei Geldmangel auch zum Gegenteil.

Nach Erreichen eines bestimmten Standards entsteht ein Zeitproblem. Es fehlt die Zeit, das Gekaufte auch zu geniessen. Das führt zu Stress. Stress ist der Todfeind des Geniessens. Multitasking funktioniert nicht bei mehr als 2 Tätigkeiten gleichzeitig. Zeitknappheit führt zu Konsumburnout. Wir erleben Leistungsstress im Beruf, Stress im privaten Alltag. Suffizienz ist Selbstschutz. Wohlbefinden braucht Zeit. Reduktion auf das Wesentliche wertet Konsum auf, weil das Erworbene nutzbar wird. Daher ist es auch kein Verzicht, weniger zu konsumieren.

 

Niko Paech hält auf der Subsistenzseite die Balance nötig zwischen:

 

  1. Globalisierte, kapitalintensive Ökonomie: für alle Produkte, die nur so hergestellt werden können. Allerdings ist diese ökologisch nicht darstellbar und möglicherweise wegen Ressoucenknappheit zum Scheitern verurteilt.

  2. Reparaturökonomie: Deglobales Versorgungssystem. Es findet Marktwirtschaft statt. Es gibt Geld ohne Zinssätze und mehr Handwerk. Es ist notwendig, die Regionalökonomie zu steigern, regionale Reparaturbetriebe zu betreiben. Das soll zur doppelten Nutzungsdauer der Produkte führen.

  3. Subsistenz: ohne Geld, ohne Industrie. Rückkehr zu Formen der Selbstversorgung und der gemeinsamen Nutzung von Dingen. Ein neuer Massstab: Produktionsfaktor ist die Zeit.

 

Niko Paech fordert ein neues Kulturmodell, das sich an dem definiert, was ich alles nicht brauche.

Die Balance erfolgt durch Arbeitszeitverkürzung auf 50%. Das schafft Zeit für Subsistenz. Die Arbeit muss solidarisch auf alle aufgeteilt werden.

 

Niko Paech beschreibt ein Zukunfsbeispiel. 2050 haben wir den Prosumenten (Wortkreation aus Produzent und Konsument). Der ist hochgebildet, arbeitet 20 Stunden in der Woche, verfügt über weinger Geld als heute, hat dafür 20 Stunden eigener Zeit, um das fehlende Geld zu ergänzen durch Selbstversorgung, Reparaturen, Nutzung eigener handwerklicher Fähigkeiten und künstlerische Tätigkeiten. Es entstehen Tauschbeziehungen. Geräte wie Auto oder Werkzeuge werden gemeinsam genutzt (Sharing). Paech fasst das alles zusammen unter: Zeit und Handwerk + Zeit und Kompetenz + Vorrat an belastbaren Beziehungen. Dadurch kann die Produktion von Gütern gesenkt werden.

 

Niko Päech erwähnt ein praktisches Beispiel aus Oldenburg. Er lädt hier zu einem Reparaturcafé ein, wo sich Reparierer und Leute, die etwas zu reparieren haben, treffen können.

 

Hier eine Zusammenfassung der Antworten aus der, dem Vortrag folgenden, Publikumsdiskussion (leider konnten daran diejenigen, die der Veranstaltung im Vorraum auf Leinwand und Lautsprecher folgten, nicht teilnehmen):

  • Bezahlte Arbeit ist knappes Gut, daher auf alle verteilen.

  • Bedingungsloses Grundeinkommen folgt der Logik der Konsumgesellschaft und hilft, das bestehende System zu verlängern. Paech tritt für bedarfsorientierte Unterstützungen anstelle von BGE ein. Auch würden die Menschen dann die Abhängikeit vom Job gegen jene vom Staat eintauschen.

  • Das bestehende Rechtssysten erlaubt die Freiheit zum eigenen Handeln.

  • Staatsschulden müssen getilgt werden. Dafür ist Vermögensbesteuerung das richtige Mittel.

  • Altersvorsorge: es braucht ein besseres soziales System. Heute sind manche Ältere überversorgt. In der PWÖ würden Ältere in der Subsistenz integriert werden. Es bedarf auch anderer Wohnformen, die den geänderten Lebenssituationen und dem gemeinsamen Versorgen angepasst sind.

  • Geplante Obsoleszenz: Heutiger Müll ist wenig auf die Obsoleszenz (absichtliche Schwachstellen, die ein Produkt möglichst bald nach Ende der Garantie kaputt werden lassen) zurückzuführen, sondern viel mehr darauf, dass Produkte überholt (unmodern, leistungsschwach, ...) sind. Im Internet gibt es die Plattform IFIXIT, wo man Tipps zum Reparieren bekommt: http://eustore.ifixit.com/

  • Die Bevökerungszahl wird auf höchstens 8,5 Milliarden steigen. Wegen der Verstädterung werden weniger Kinder geboren werden als derzeit, wo viele Kinder als Alterssicherung bei der Landbevölkerung gelten.

  • Der Verkehr verbraucht Flächen, die in Zukunft für die Versorgung mit Nahrung benötigt werden. Rückbau von Flughäfen, Strassen, Autobahnen, ....

  • Bevölkerungsplanung wie in China, „1 Kind Politik“, ist für Niko Paech grausam und ein Eingriff in das Menschenrecht.

  • Nicht nur Zinsen, auch Renditen und Konsum sind Wachstumstreiber.

  • Die Gründung der Gemeinwohlbank in Österreich hält Niko Paech für eine gute Idee, weil sie sich verpflichtet, sich aus den Finanzspekulationen herauszuhalten. Er möchte gerne die bestehenden Banken „austrocknen“.

  • Bei reduzierter Arbeitszeit müssen Männer und Frauen gleiche Rechte, Pflichten und Chancen haben und zwar sowohl in der Erwerbsarbeit als auch in der reproduzierenden Tätigkeit. Das wird für die Männer mehr Änderung der eigenen Einstellungen erfordern als für Frauen.

  • Entschleunigung heisst für Paech: Die Zeitabschnitte zwischen Konsumhandlungen verdoppeln.

 

Auf die Anfrage, wen er denn noch empfehlen könne zu diesem Thema erwähnte Niko Paech unter anderen folgende Personen:

  • Leopold Kohr

  • Nicolas Georgescu-Roegen

  • Ernst Friedrich Schumacher

  • Ivan Illich

  • Herman E. Daly

  • Marianne Gronemeyer (Die Macht der Bedürfnisse)

  • Elmar Altvater

  • Meinhard Miegel

  • Reinhard Loske (ehem. deutsche Grüne)

  • Fred Lux (Zukunft des Wachtstums)

 

Niko Paech ist einer der bedeutendsten deutschen Wachstumkritiker – und er ist authentisch, denn er lebt seine Vision einer „entschleunigten und entrümpelten Welt“. Er ist Volkswirtschaftler und seit 2010 außerordentlicher Professor am Lehrstuhl für Produktion und Umwelt an der Universität Oldenburg. Als Vorsitzender der Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ) und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von ATTAC genießt er einen hohen Bekanntheitsgrad und findet bei einer breiten Öffentlichkeit Gehör. (Aus Befreiung vom Überfluss).

 

Weitere Informationen:

Buch: Niko Paech, „Befreiung vom Überfluss – Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie“,

ISBN 978-3-86581-181-3, oekom verlag, München, 2012.

Ausserdem sind auf Youtube eine Reihe von Niko Paechs Vorträgen abrufbar, darunter auch der kürzlich gehaltene in Mödling.

 

Die Veranstaltung wurde in Kooperation zwischen ATTAC Wr.Neustadt, dem Bildungshaus St. Bernhard, der Grünen Bildungswerkstatt, der Radlobby Wr. Neustadt, dem Welthaus Katholische Aktion Wien und dem KAB (Katholische Arbeitnehmer/innen Bewegung) durchgeführt.

 

Zum Schluss noch ein „Danke“ an die 50 Besucher, die die Petition an die österreichische Bundesregierung, sich beim Europäischen Rat für die Offenlegung der Verhandlungsprotokolle des TTIP (Transatlantischer Handels- und Investitions Pakt) einzusetzen, unterschrieben haben.

 

Walter Kalod

Danke an Elke, die viel dazu beigetragen hat, damit dieser Bericht verständlicher geworden ist. Und an Marlies, die auch noch ein paar Fehler entdeckt hat. 

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