Jahresbericht 2013
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26.11. Buchpräsentation "Schwarzbuch Raiffeisen"

Buchpräsentation unter Anwesenheit des Co-Autors Clemens Staudinger (Lutz Holzinger konnte krankheitshalber nicht teilnehmen). Die Veranstaltung war eine Zusammenarbeit zwischen Attac WN, Aktion Mitmensch und dem Weltladen WN.  35 Teilnehmer nutzten diese Gelegenheit, von einem der Autoren mehr über das Entstehen des Buches und in komprimierter Form die Besonderheit des Raiffeisen-Konglomerats zu erfahren. 

 

Clemens Staudinger brachte uns den Inhalt des Buches in sehr anregender Form näher. Er erläuterte unter anderem, dass das moderne Raiffeisen-Österreich politisch als Gegenpol zur sozialdemokratischen Arbeiterbewegung gefördert wurde. Noch bevor er Bundeskanler wurde skizzierte Engelbert Dollfuß seine Vorstellung über die Verzahnung wirtschaftlichen, damals ständestatlichen und politischen Einlussses. Verwirklicht wurde das aber erst nach dem Ende des 2. Weltkrieges und führte zur "Dreifaltigkeit" von Giebelkreuz, Landwirtschaftskammern und dem ÖVP-Bauernbund. Raiffeisen-Top-Funktionäre sitzen im Parlament, in Kammern und Ministerien, Bundes- und Landesregierungen. Statt Lobbyismus wird der direkte Eingriff in die repräsentative Demokratie praktiziert.

 

Raiffeisen ist als ehemalige Bauern-Selbsthilfe-Genossenschaft - unter Abschottung von der Öffentlichkeit - heute zu einem riesigen Wirtschafts-konglomerat geworden. Der Konzern verfügt über eine Monopolstellung in mehreren Wirtschaftszweigen. Kein Geschäft ist dem Unternehmen fremd: Ausgehend von der führenden Rolle in der Landwirtschaft umfassen seine Aktivitäten Nahrungsmittel und Saatgut, Banken und Versicherungen, Medien und Immobilien, Baufirmen und Stahlwerke. 

 

Das alles und noch viel mehr gibt es im Buch, das mittlerweile seine 4. Auflage erlebte:  Lutz Holzinger und Clemens Staudinger: „Schwarzbuch Raiffeisen“, Mandelbaumverlag, Wien. ISBN 978-3-85476-622-3.

 

 

24.10. Podiumsdiskussion MYTHOS EU

 

Podiumsdiskussion mit (in der Reihenfolge, wie sie am Podium sitzen, von links nach rechts): Katerina Anastasiou (Solidarity4All), Markus Stock (WKÖ),  Manfred Schmutzer (Moderator - Attac WN), Valentin Wedl (AK-Wien), Lisa Mittendrein (ATTAC-Vorstand) und Thomas Seifert (Wiener Zeitung, der für Gerfried Sperl eingesprungen ist). Begrüssung: Fritzi Zauner (Attac WN).

 

Fotos von Bianca Köck

 

Ein Weltladen Buffet und der Büchertisch von Hikade ergänzten die Veranstaltung.

Sponsor: AK-NÖ und Grafiker Oliver Rigby der das schöne Plakat entwarf.

 

Die Diskussion:

Hr. Seifert: Weniger über die Bankenrettung reden, sondern über Bildung. In Griechenland funktioniert nichts derzeit. Auch die Medien müssen ihre Berichterstattung über die EU ändern. Es kommt in den nächsten Jahren zu einer noch viel grösseren weltweiten Krise. Menschen müssen sich selbst mehr für die EU und Politik interessieren und sich engagieren. Die neuen Medien machen es möglich, direkt mit Abgeordneten zu kommunizieren. Wünscht sich, dass der Mensch vor Unternehmensinteressen kommt. Die Interessen der Pharmaindustrie, bestimmte Stoffe zuzulassen und damit Profit zu machen, könnte Schuld sein an bestimmten Krebsraten.

 

Hr. Wedl: Die AK hat Ihre Aufgabe anfangs darin gesehen, die österreichischen Bürger über die EU zu informieren. Das hat sie geändert und hat nunmehr die EU Gremien zum Ziel. Es gibt in Brüssel ein Verhältnis von 1 zu 100 zwischen Interessensvertretungen der Bürger und dem Lobbyismus der Wirtschaft. Enge Zusammenarbeit der Bürgervertreter (AK, Gewerkschaften, Zivilgesellschaft, NGOs) notwendig. Es sollte auch mehr Veranstaltungen wie die heutige geben.

 

Hr. Stock: WKÖ für Einführung der Finanztransaktionssteuer. Möchte in Brüssel die duale Lehrlingsausbildung als Best Practice Model darstellen. WKÖ vertritt in Brüssel die österreichischen Betriebe, die zu 60% 1-Personen-Gesellschaften und zu 99% Klein- und Mittelberiebe sind.

 

Fr. Anastasiou: Die Auflagen der Troika in Griechenland führten zu einer humanitären Katstrophe. Hohe Arbeitslosigkeit (nächstes Jahr erwartet man über 60% Jugendarbeitslosigkeit). Mehr als die Hälfte sind nicht sozialversichert und haben keinen Zugang zum Gesundheitssystem. Armut. Solidarity4All organisiert in Griechenland zivilgesellschaftlichge Infrastruktur, wie solidarische Spitäler, Nahrungsmittelläden, Direktkontakt zwischen Bauern und Konsumenten.

Nationalsozialistische Partei kamen wegen der Unzufriedenheit der Menschen mit den Auswirkungen der Troika-Auflagen ins Parlament.

 

Fr. Mittendrein: Ist für die EU (es gibt sie schon und Alternativen sind nicht da), aber sie muss verändert werden. Jetzt wird in der EU der Wettbewerbspakt diskutiert, wo Länder mit der EU Verträge abschliessen, die der Kommission erlaubt, direkt in die nationale Budgethoheit mit verbindlichen „Vorschlägen“ einzugreifen. Attac und andere machen dagegen mobil. Diesmal ist man rechtzeitig dran.

Hilfsgelder für Griechenland gehen nicht an die Regierung sondern an die Banken.

Europa und die EU müssen geändert werden:

  • Staaten vom Finanzmarkt unabhängig machen durch direkte Kreditvergabe der EZB.

  • Die ungerechte Verteilung der Vermögen beenden.

  • Einführung einer Vermögenssteuer ab 1 Mio. Euro und einer Erbschaftssteuer, die den Namen verdienen sowie einer Reichensteuer um der Krise entgegen zu wirken. 

  • Einmalabgabe der Vermögenden um den Staatshaushalt zu sanieren.

Ohne Einmischen gibt es keine Demokratie.

 

Hr. Schmutzer: Ist Demokratie abhängig von der Anzahl der Menschen? Kann es überhaupt in Europa mit 500 Millionen Menschen Demokratie geben? Die EU ist nicht die einzige Möglichkeit für ein Zusammenleben der Menschen in Europa.

 

Etwas enttäuscht waren wir vom Besucherinteresse, da nur 35 Menschen ins BORG kamen.

 

22.9. Gemeinsames Erntedankfest "Essbare Stadt"

 

Es feierten unsere Initiativen "Essbares Wiener Neustadt" und "Talente-Tauschkreis" ein gemeinsames Erntedankfest mit den Garteninitiativen kulturGUTnatur, Gartenpolylog und der Obststadt. Umweltstadtrat Wolfgang Mayerhofer eröffnete diese Veranstaltung im Wr.Neustädter Stadtpark.
Für Kinder gab es einen Sammelpaß mit verschiedenen Stationen, wo sie z.B. Kräutersalz selbst herstellen konnten. An Infoständen wurde über den Tauschkreisund über Attac informiert, Gesundes vom Bio-Bauern (CSA) aus der Region konnte erworben werden,
und am "Jeder bringt was mit"-Buffet gab es reichlich Gesundes und Nahrhaftes.
Bei dieser Gelegenheit konnten wir uns in einem netten Rahmen miteinander unterhalten und natürlich in interessanten Gesprächen mit Besuchern Informationen und Meinungen austauschen.Den Abschluß bildete eine Klangschalenmeditation und gemeinsames Singen.
 
Bilder zum Erinnern:
 
 
 
 

Tauschkreis Fest 6.7.2013

Impressionen dieses Festes : Bilder vom Tauchkreisfest

ATTAC Forum Mai 2013 - Bürgerbeteiligung in der Gemeinde

15. Mai 2013 - Bürgerbeteiligung in der Gemeinde

Unsere Fritzi Zauner begrüsste unsere Referentin Fr. DrIn. Therese Stickler vom Umweltbundesamt und hob in ihrer Einleitung die Bedeutung des Einmischens der Bürger hervor.


Therese Stickler erklärte uns anhand einer Computerpräsentation das gegenwärtige Umfeld und verschiedene Modelle der Bürgerbeteiligung.

 

Sie ging von den den drei Formen der Demokratie aus: Repräsentative (Wahlen) , direkte (Volksbefragung, Volksabstimmung) und partizipative (von oben geplant oder von unten entstehend). Und sie erläuterte das Umfeld, wo Bürger zunehmend den Eindruck haben, zu wenig vertreten zu sein und Verbände (z. B. Gewerkschaften) ihren allumfassenden Vertretungsanspruch verlieren. Das steht in Zusammenhang mit der Verschiedenartigkeit der Lebensstile, dem Trend zu kurzfristigen Interessensgemeinschaften, dem Rückgang klassischer Beschäftigungsverhältnisse. Misstrauen besteht gegenüber ExpertInnen und deren Technologiefolge- und Risikoabschätzungen. Man fühlt eine Distanz zwischen Bürgern und politischen Entscheidungsträgern. Ausdruck dafür sind die oft und medial beklagte Politikverdrossenheit und die geringe Wahlbeteiligung. Auf der anderen Seite entstehen mehr und mehr Bürgerbeteiligungsinitiativen, neue politische Parteien, Forderungen nach mehr Demokratie. Auch die EU, die Weltbank oder die UNO unterstützen partizipative Demokratie als Teil von "Good Governance". EU hat "Weißbuch Regieren" herausgegeben, in der Partizipation einen hohen Stellenwert einnimmt. In Österreich ist Vorarlberg Vorreiter: Partizipative Demokratie kam 2013 in die Landesverfassung - erstmalig in Europa.

 

Mitbestimmungsmodelle können entweder "nur informativ" sein, wenn kein Dialog vorgesehen ist, sind sehr oft "konsultativ" wenn es um die Einholung von Bürger-Stellungnahmen geht, eher selten sind sie "kooperativ", bieten also echte Mitbestimmung. Manchmal wird Information als Bürgerbeteiligung bezeichnet, aber heute wurde sie als eine Grundbedingung für Partizipation angesehen.

 

Wichtig ist immer, die richtige Methode der Bürgerbeteiligung zu wählen. Solche Methoden wären: Aktivierende Befragung, Begehungen, Workshops, Ausschüsse, Arbeitsgruppen, Mediation, moderierte Veranstaltungen, Fischbowl, runder Tisch, Open Space, Zukunftskonferenz, World Cafe, Planspiel, kooperative Planungen, Anwaltsplanung, Fokusgruppen, Planungszellen (Bürgerforum), Bürgerkonferenzen. Methoden können auch gemischt werden. Entscheidend sind die Anzahl und eventuell der gewünschte Mix der einzubindenden Personen (Zielgruppe), das zu erreichende Ziel, die vorhandenen Mittel, und ob Bürger endgültig entscheiden dürfen oder nur in Vorentscheidungen eingebunden sein sollen.

 

Bürgerbeteiligung ist derzeit nicht verpflichtend. Sie ist dann für die Entscheidungsträger unheimlich, wenn sie als Einschränkung ihrer Macht und nicht als Chance wahrgenommen wird. Grundbedingung für Partizipation in der Gemeinde ist aber, dass sie vom Bürgermeister abwärts gewollt und voll unterstützt wird. Es ist einfach falsch zu sagen, dass die Bürger nicht reif dafür wären. Auch kompliziertere Sachverhalte können so dargestellt werden, dass sie jeder versteht. Jeder ist dann Experte wenn das Thema gut erklärt wird. So können auch komplexe Themen wie die Budgeterstellung partizipativ erarbeitet und entschieden werden.

 

 

Bei der Bürgerbeteiligung hat die Verwaltung mehr zu tun. Es entstehen Kosten für die Moderation, Überstunden, Bewirtung, Einladungen, ev. für eine WEB-Seite usw. Trotzdem zahlt sich Bürgerbeteiligung aus, da sie die Nachvollziehbarkeit, die Akzeptanz und die Qualität von Entscheidungen erhöht. breitere Entscheidungsgrundlagen für EntscheidungsträgerInnen hervorbringt, das Verständnis für andere Meinungen und den Interessenausgleich unterstützt, das Vertrauen in die Politik und in die öffentliche Verwaltung stärkt und nicht zuletzt Zeit und Kosten bei der Umsetzung von Politiken, Plänen, Programmen und Rechtsakten spart.

 

Beispiele aus Österreich: Triestingtal BeFoRe über nachhaltige Entwicklung, BürgerInnen-Räte in Vorarlberg (12-15 zufällig - aber gesteuert - ausgewählte Personen beraten moderiert 1 1/2 Tage lang), Flood-Risk-Danube Krems (Risikobewertung bei Hochwasser), CRUE-IMRA Mölltal (Verständlichkeit der Gefahrenzonenpläne, obwohl seit über 40 Jahren kein Hochwasser mehr eintrat). Näheres über Partizipation und über diese und weitere Projekte unter: www.partizipation.at . Auf dieser WEB-Seite findet man auch die bereits veröffentlichten Qualitätskriterien (z.B.neutrale Moderation, transparente Abläufe, Ehrlichkeit, Begründung der Entscheidungen, klare Rollen) und die vom Ministerrat im Juli 2008 beschlossenen Standards für die Vorbereitung, Durchführung und das Monitoring von Bürgerbveteiligungsprozessen.

 

Und in Wiener Neustadt? Poteste und Initiativen haben vor allem mit Raumplanung und Grünräumen zu tun (Achtersee, Schmuckerau, Obststadt,Essbare Stadt). Das ist vielleicht eine Reaktion auf nicht nachhaltige Entwicklungen: Ansiedelung von Großmärkten und Gewerbezentren am Stadtrand, Aushungerung der Innenstadt, weniger G‘stettn und Naherholungsflächen, Verdichtung der Stadt. Bestehende Trockenrasenflächen werden nicht als wertvoll erachtet, öffentliches Grün wird privater, es gibt weniger Freiräume für Hundebesitzer, Sportler, Familien und Kids.Auch die autofreundliche Verkehrsplanung sowie die Sportfliegerei in einer Klimabündnisgemeinde können zu Unzufriedenheit führen. Es gibt derzeit auch keinen Dialog mit der Bevölkerung über die weitere (nachhaltigere?) Entwicklung der Stadt (nur Fragebögen und Arbeitskreise). Ein weiteres Thema wäre eventuell auch die derzeitig ungeregelte Selbst-Evaluierung in Zusammenhang mit Verpflichtungen als Klimabündnisgemeinde. Das gehört geregelt. Wer weiss heute, ob sich die CO²-Bilanz nicht sogar verschlechtert hat?

 

Im Anschluß wurden Fragen aus dem Publikum beantwortet.

Nicht für jeden/jede war alles neu, was wir gehört haben, aber für alle war etwas Neues zu diesem Thema dabei.

 

April 2013 - Pflanzentauschmarkt

27.4.2013 - Pflanzentauschmarkt Schmuckerau

 

Bereits zum zweiten Mal fand der Attac-Pflanzentauschmarkt in der Schmuckerau statt. Zu den Pflanzen aus den eigenen Gärten der Attacis und den "Balkongemüsepflanzen" von Karl gesellten sich "überschüssige" Pflanzen von Gartenbesitzern aus der Umgebung. Manche Besucher zogen von Stand zu Stand und boten ihre Pflanzen zum Tausch gegen andere Pflanzen an, andere breiteten ihre Schätze auf den bereitgestellten Tischen auf. 

 

Die Vielfalt der Pflanzen war wieder beeindruckend. Für uns war wichtig, dass auch ohne Geld Pflanzen im Tausch erworben werden konnten. Viele Besucher kamen aus der Schmuckerau und der näheren Umgebung, aber sogar aus dem mittleren Burgenland fanden sich Gäste ein. Dazu passt auch, dass plötzlich singend eine Gruppe ins Gelände kam, die sich dann als "Lebendiger Rosenkranz" herausstellte und einige Zeit bei uns verweilte. 

 

Kinder genossen die Freiheit auf der großen Wiese während die Erwachsenen sich den Pflanzen widmeten. In entspannter Atmosphäre ergaben sich viele Fachsimpeleien unter Gartenspezialisten.     

 

Eine Kurzbefragung danach ergab eine hohe Zufriedenheit, einerseits weil die eigenen Pflanzen gut "weggingen", andererseits wegen der eigenen Freude über die dafür eingetauschten Pflanzen.

 

Selbstredend, dass wir die Gelegenheit dazu nutzten, auch Attac vorzustellen. Da wir ja jetzt unsere Lokalität in der Nähe haben, hoffen wir den einen oder die andere in Zukunft auch bei anderen Veranstaltungen in der Emmerberggasse 9 willkommen heißen zu können. 


ATTAC FORUM - Unser Europa neu begründen

19.4.2013 - Attac-Forum "Unser Europa neu begründen".

 

Dr.in Elisabeth Klatzer erläuterte das EU Krisenmanagement, Vereinbarungen wie den Fiskalpakt und die damit verbundene Entmachtung der nationalen Parlamente, durch Einschränkung der Souveränität in Budgetfragen. Unter Strukturreformen hat die EU die Nominallohnentwicklung im Fokus.

Es geht nicht um Krisenbewältigung, sondern viel mehr um den neoliberalen Umbau der Gesellschaft.

 

EU-Mangel derzeit: Keine koordinierte Steuerpolitik, es besteht ein "Wettlauf nach unten". Es werden Rechte abgebaut. Über den Rettungsschirm zur Bankenrettung wird im Einsatzfall (Troika!) der heutige Sozialstaat zerschlagen. Es geht um die Macht in der Gesellschaft. Und dieser Kampf ist ein politischer, wenn er auch auf wirtschaftlicher Ebene geführt wird. Staatsschulden sind nicht die Ursache sondern die Folge der Krise. An den Fehlern, die zur Weltwirtschaftskrise führten, hat Europa mitgemacht.

 

Anschließend haben wir über Alternativen zum derzeitigen Weg der EU diskutiert. Da ging es um Engagement für "Wege aus der Krise", für die derzeit laufende europäische Bürgerinitiative für das bedingungslose Grundeinkommen. Bei diesem umfangreichen Thema war die Zeit wieder einmal zu kurz.

Dieses Informationsgespräch war für uns als eigene Vorbereitung für eine Herbstveranstaltung zum Thema "Europa neu begründen" gedacht. Hunderte Menschen wurden durch verschiedene Newsletter informiert, die 12 Teilnehmer waren dann doch etwas wenig. "EU" dürfte ein recht sprödes Thema sein und wir müssen uns für die Herbstveranstaltung einen attraktiven Titel, einen vielversprechenden Inhalt und Ablauf überlegen, um möglichst viele Menschen zur Teilnahme zu motivieren. 

 

Jänner 2013 - Vorstellung der Solidarischen Landwirtschaft / CSA (Community Supported Acriculture)

Bei dieser hochkarätig besetzten und mit knapp 50 Besuchern sehr gut besuchten Veranstaltung in unserem neuen "Zuhause" in der Emmerberggasse wurden verschiedene Modelle der solidarischen Landwirtschaft vorgestellt. Ziel war, das Interesse für diese Art der Zusammenarbeit zwischen Konsumenten und Produzenten (Bauern) im Raum Wiener Neustadt / Bucklige Welt zu wecken.

     

Michaela Reisenbauer, selbst Biobäuerin in Krumbach - www.kraeuteregg.at  - eröffnete den Abend, der den Titel hatte: "Ist solidarische Landwirtschaft eine Chance für kleinbäuerliche Betriebe in der Buckligen Welt?". Sie möchte mithilfe eines zukünftigen CSA Modells erreichen, dass Bauern ihre Kompetenzen (z.B: in der Saatgutpflege) behalten, bzw. wieder erlangen und dass Bauern ein gesichertes Einkommen haben.

Konsumenten hätten den Vorteil, zu dem Betrieb Vertrauen aufzubauen,  der ihre Nahrungsmittel erzeugt, da sie ihn gut kennen. Solches ist ja bei den Supermarktketten nicht der Fall. Michaela hat Rind-, Lamm- und Schweinefleisch, Ziegen- Schaf- und Kuhmilchprodukte, Kräuterprodukte, Dinkelprodukte, Vollkornbrot, Äpfel, Apfelsaft und Most. Außerdem seltene Haustierrassen: Zackelschafe und Pinzgauer Ziegen.

 

Irmi Salzer, Österreichische Bergbauernvereinigung - Via Campesina Austria (ÖBV) gab einen Überblick über die Stellung der Kleinbauern in Österreich.

Hier können nur ein paar Zahlen wiedergegeben werden. 20% der österreichischen landwirtschaftlichen Betriebe sind kleiner als 20 ha. Diese sind nach Meinung der Landwirtschaftsoffiziellen "nicht wachstumsfähig". Also gilt das Credo der neoliberalen Marktwirtschaft , dass Wachstum das "Um und Auf" ist, auch für die Landwirtschaft.  Aus 240000 Betrieben 1995 sind es jetzt nur mehr 170000. Das nennt man offiziell "Strukturwandel". 

9000 landwirtschaftliche Betriebe sind grösser als 100 ha. Diese bewirtschaften eine Fläche von 1 Mio. ha von insgesamt 6 Millionen ha. Viele der von Touristen so geschätzten Almen werden wegen Unwirtschaftlichkeit aufgelassen. Als Österreich zur EU beitrat, befürchteten die Bauernvertreter, dass Importe aus Deutschland und Holland die österreichischen Bauern ruinieren würden. Die Tatsachen sind anders: Der Export  landwirtschaftlicher Produkte stieg von 2,5 Milliarden € auf 9 Milliarden.  

  

Rudi Hoheneder (EU Projekt zum Aufbau eines CSA Netzwerkes in Österreich, AgrarATTAC und NAK - Netzwerk für eine nachhaltige Agrar Kultur - rudolf.hoheneder@gmx.at ), erläuterte dieses von der EU direkt unterstützten Initiative. Dieses drei-stufige Projekt, CSA for Europe,  an dem 8 Länder beteiligt sind,  wird heuer abgeschlossen. In den ersten 2 Phasen standen Informationsreisen und Lernaufenthalte im Mittelpunkt. Jetzt in der Dritten geht es um Erfahrungsaustausch.

  

Stefan Beschorner vom Gärtnerhof Ochsenherz - www.ochsenherz.at - einem Demeterbetrieb in Gänserndorf, ist dort verantwortlich für die Organisation der Präparatearbeit, der Präparateausbringung und der Ernte. Er erzählte aus der Geschichte des Hofes und der Umstellung auf CSA. Vor CSA wurde am Naschmarkt verkauft. Das lief zwar gut, ging sich aber finanziell nicht aus.

Jetzt wird, entsprechend dem CSA-Modell der Finanzbedarf eines Jahres im Vorhinein ermittelt, und daraus ergibt sich ein Durchschnitts-Beitrag für die Konsumenten. Diese melden zurück, wieviel sie bereit sind für ihre Gemüseversorgung zu zahlen. Das kann grösser oder auch kleiner als dieser Durchschnittsbetrag sein.

Bei der Generalversammlung wird unter anderem berichtet, ob sich das auch ausgeht. Wenn nicht, haben die KonsumentInnen Gelegenheit ihr Angebot auszubessern. Das hat so bisher gut funktioniert. Es gibt hier 230 Kunden, für die 9-10 Mitarbeiter auf 3 ha Gemüse anbauen. Insgesamt ist der Hof 8 ha groß. Über diesen Kundenkreis hinaus gibt es keinen Verkauf, es gibt sogar eine Warteliste für Neukunden.

Weitere Standbeine sind: Verkauf von Saatgut und Jungpflanzen. Die Umsetzung des CSA Konzeptes hat - dank der Unterstützung anderer, die bereits CSA-Erfahrungen hatten, nur 1 Jahr gedauert. Sehr eindrucksvoll der Film über die Arbeit im Gärtnerhof Ochsenherz.              

  

Thomas Kröger (Mirandahof in Sottrum, Niedersachsen): Auch von ihm erhielten wir gute Einblicke in das Entstehen und die Arbeit eines CSA-Betriebes. Er und seine Frau bearbeiten 7 ha Land um 85 KundInnen zu versorgen. Familie Kröger hat vorher auf einem Demeterbetrieb gearbeitet, wo der Vermarktungsaufwand enorm war. Jetzt sind dafür 6-9 Stunden in der Woche ausreichend. Der Beitrag von € 55,-- bedeutet ein fixes Einkommen, zusätzlich werden gegen Bezahlung 2 Personen betreut. Der persönliche Kontakt ersetzt Emails. Interessant auch Suttrum wegen der  Waldorfschule, Bio-Supermärkten und Bio-Höfen mit Hofverkauf. 

 

Jochen Fick aus Frankreich, Villars de Lans (bei Chamonix) hat uns ein anderes CSA Modell, AMAP (Association pour le maintien d'une agriculture paysanne), näher gebracht.

Derzeit sind in Frankreich in 2000 AMAPs 5000 Höfe und 60.000 Familien miteinander verbunden. Seine AMAP heißt Vert de Terre (ein Wortspiel, da Verts de Terre der Regenwurm ist und jede AMAP sich einen möglichst originellen Namen gibt).

Der Ort liegt auf 1000 m. In dieser AMAP werden Brot, Eier, Geflügel, Gemüse, Honig, Käse, Kalb- und Schweinefleisch erzeugt und verteilt. AMAP ist eine Verbraucherorganisation. Regeln sind in einer  Charta festgelegt. Während CSA-Betriebe in Deutschland und Österreich für "ihren" Kundenkreis produzieren, vermarkten die AMAP-Betriebe ihre Produkte auch auf Märkten oder ab Hof.

 

Last but not least: Das Bio-Buffet, mitgebracht von Michaela Reisenbauer und Alfred Kölbl.

Es gab noch fast ofenwarmes Roggen/Dinkelbrot, Aufstriche, Schafkäse, Speck und verschiedene Säfte. So gut, dass von dem, was am Anfang so viel aussah, am Ende nur ganz wenig über blieb.     

 

Saft und Speck waren vom   

Bio Schafbauernhof Familie Veronika und Alfred Kölbel

Güterweg Lucka 2, 2840 Grimmenstein,  Tel.: 02644 8257.

 

Brot / Aufstriche waren von

Michala Reisenbauer, 2851  Krumbach, Königsegg 17

Tel.: 0676 9712208, E-mail: bioreisenbaeuerin@kraeuteregg.at

Wichtig: Bei CSA hat Gemüse keinen Preis. Im Film "Bottled Life" über das Trinkwassergeschäft durch den Konzern Nestle sagte deren Generaldirektor und Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck-Letmathe: "Wasser ist ein Lebensmittel, wie jedes andere auch und sollte einem Marktwert haben", daher muss es einen bekommen. So ist das nämlich in der neoliberalen Marktwirtschaft.


Keine Frage, dass es mit diesem Abend allein nicht getan ist. Es wird Nachfolgeveranstaltungen geben und hoffentlich am Ende auch ein oder mehrere CSA-Modell(e) in unserer Region.

 

Weiterführende Links:

CSA: http://www.solidarische-landwirtschaft.org

 

Einige Impressionen von der Veranstaltung:

Jänner 2013 - Filmvorführung "The Brussels Business"

Gut 40 Besucher kamen trotz der vortägigen Fernseh-Ausstrahlung dieses Films ins BORG, wo bereits am Vormittag über 200 Schüler eine Vorführung mit anschließender Diskussion (moderiert von Herrn Direktor Jantscher) mit dem Filmmacher Fitz Moser und unserem Manfred Schmutzer erlebten.

 

Der Film verschaffte uns einen Einblick in die Arbeit der 15000 Lobbyisten in Brüssel. Es gab viel Lob für das Filmteam, die dieses komplexe Thema spannend aufbereitet hatte. Wir konnten sehen, wie die Vertreter der Industrie und der großen Serviceorganisationen es schaffen, dass die Anliegen ihrer Konzerne in den Verordnungen der Kommission und den Gesetzen, die das Parlament beschließt, berücksichtigt werden. Das geht so weit, dass Vorlagen aus Thinktanks wie den "Friends of Europe" oder Lobbygruppen wie der "European Round Table" (ERT), ein Gremium, wo die Generaldirektoren der 40 führenden Industrieunternehmen Europas zusammenkommen, sich eins zu eins kopiert im EU Regelwerk wiederfinden. Sehr aufschlussreich war auch, dass wir sehen konnten, wie eng EU-Kommissare und Industrie-Lobbyisten zusammenarbeiten, dass z.B. die Gründung des ERT vom zuständigen Kommissar angeregt wurde. Wie Fritz Moser sagte, war wohl das Glanzstück der Lobby-Arbeit die Gründung der EU selbst. Von den  4 bekannten Freiheiten in der EU (Personenverkehr, Warenverkehr, Finanzservices-Verkehr und Geldverkehr) sind alle, außer vielleicht dem freien Personenverkehr, vorwiegend bis ausschließlich im Interesse der Wirtschaft. Die damit verbundene Deregulierung freut besonders die Anhänger der neoliberalen Wirtschaftsordnung und wurde nicht eingeführt, weil die europäischen Bürger das vielleicht so gefordert hätten. Es wundert nicht, dass viele US-Lobbygruppen ihre Ableger auch in Brüssel haben.               

 

In der anschließenden Diskussion, geleitet von unserer Fritzi Zauner, wurde unter anderem über das festgestellte Demokratiedefizit in der EU, über die Aufgaben der Abgeordneten (vertreten sie EU Interessen oder die der Länder?), über die Rolle der Medien, Qualität und Interesse der Journalisten diskutiert. Die ATTAC-Initiative "Unser Europa neu begründen" konnten wir bei dieser Gelegenheit ebenfalls vorstellen. 

 

Weitere Informationen zum Film und dessen Facebook Seite

 

Trailer:

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